Dozententätigkeit

Caroline Thon, Komposition/Saxofon, Köln:

Bezeichnenderweise wird die Komponistin Caroline Thon immer öfter aufgefordert ihr Wissen und ihren sehr eigenwilligen und persönlichen Kompositionsstil an junge Nachwuchsmusiker weiter zu vermitteln.

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Komposition

Caroline Thon, Komposition/Saxofon, Köln:

Die 1966 geborene Saxofonistin und Komponistin ging bei ihrem Werdegang eher ungewöhnliche Wege was sich bis heute nicht geändert hat wenn man ihr bisheriges Ouevre betrachtet !

So absolvierte sie zuerst eine (ARD-interne) Ausbildung als Tontechnikerin und spielte vor ihrer akademischen Laufbahn sowohl in Free- und Avantgardeensembles als auch Soul- und Funkbands.

Eine Anekdote erzählt das sie in der Avantgardeformation „Fleisch“ gefragt war, weil sie zum damaligen Zeitpunkt John Coltrane nicht kannte obwohl sie Saxofon spielt. Daran hat sich mittlerweile natürlich einiges geändert.In dieser Zeit lernte sie sehr ungewöhnliche musikalische Strukturen wie zum Beispiel eine Komposition für 12 Autos + Solistin (nämlich sie selbst) kennen, die damals unter dem Titel „14 Jahre im Kreisverkehr“ live in der Kölner Innenstadt aufgeführt wurde.
1996 begann sie ein Studium zur klassischen Instrumentalpädagogin an der Musikhochschule in Wuppertalwo aber vor allem der Harmonielehreunterricht und das Kennenlernen diverser klassischer Kompositionstechniken wie z.B. die „Keimmotivtheorie„ Belá Bartóks oder die „Enkeltheorie“ von Paul Hindemith sie am meisten beeinflussten um nur einige zu nennen.


Nach Abschluß des Studiums verbrachte sie ein Jahr am Berklee College of Music (Boston/USA) um sich zum ersten Mal gezielter dem Jazz zuzuwenden und den Austausch mit Musikern aus aller Welt zu geniessen.
Zurück in Deutschland begann sie im April 1999 Komposition/Arrangement bei Bill Dobbins und Frank Reinshagen an der Musikhochschule Köln zu studieren,wo sie im Jahre 2002 ein Diplom als Komponistin und einen weiteren als Jazz-Saxofonistin im Jahr darauf erhielt. Zusätzlich absolvierte sie Masterclasses bei Dave Liebman, Hal Crook und Dick Oatts und Kompositionsunterricht bei Michael Abene,dem Leiter der WDR-Big Band.

 

Entsprechend ihrer vielschichtigen Ausbildung ist sie sowohl als Instrumentalistin als auch als Komponistin Grenzgängerin zwischen modernem Jazz, zeitgenössischer Musik aber auch Rhythym´n Blues denn Grenzen existieren für sie eigentlich in der Musik nicht. Gemäß einer Haltung, die weit über die Musik hinaus geht hängt für Caroline Thon alles zusammen und bedingt sich gegenseitig, so heisst das Debüt-Album ihres THONELINE ORCHESTRA auch bezeichnenderweise „PANTA RHEI“ (Juli 2012 bei nrw-jazz erschienen), ein Ausdruck der auf den griechischen Philosophen Heraklit zurückgeht und die „Einheit aller Dinge“ beschreibt.
Auf diesem Album sind einige ihrer vielschichtigsten Kompositionen für Big Band zu hören.

 

Grundlegende Besetztung ist dabei immer der klassische Big Bandbläsersatz (4 Tr, 4 Pos, 5 Sax + Rhythmusgruppe) + diverse Solioinstrumente wie Gesang, Gitarre oder auch Melodika oder Geige.
Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ihres Kompositionsstils ist dabei der ungewöhnliche Einsatz des Gesangs ohne Text und schon mal durch Hinzunahme eines Megaphons, ungewöhnliche und zum Teil sehr eigenwillige Voicings die, je nach Komposition, nicht unbedingt typischen Satztechniken entsprechen und oft Formstrukturen, die eher auf Entwicklungs- und Reihenformen (wie z.b. die „Keimmotivtheorie“ nach B. Bartók) als auf die traditionelle Songstruktur AABA zurückgehen. Groovige Kompositionen wie z.B. das rockige „You see, you don´t“ erinnern v.a. an ihre Soul- und Funkzeit.

 

Die Affinität zur klassischen Musik zeigt sich immer wieder, so erhielt sie 2008 einen Kompositionsauftrag vom Europäischen Musikfestival in Stuttgart zur Bearbeitung der „Kunst der Fuge“ aus der Sicht des Jazz zusammen mit dem Pianisten Patrick Bebelaar.

 

Diese Komposition wurde unter dem Titel „Metarmophosis“ und mit der Besetzung Gesang, Gitarre, Percussion,Saxofon, Piano, Tuba, Obertongesang in der Liederhalle uraufgeführt und vom SWR mitgeschnitten. In diesem Falle mußten die Musiker in den Improvisationsteilen anstatt über Akkorde und/oder Rhythmusfiguren mit Hilfe der Assoziation bestimmter Emotionen wie z.B. „Wut“ improvisieren. Diese standen im gegensatz zu auskomponierten Teilen, der Ablauf der Komposition war angelehnt an die Fugenform mit Dux, Comes und freie Exposition.
Ihr erstes Arrangement für Saxofon-Quartett war der Pop-Klassiker „Kiss“ von Prince, seitdem arrangiert sie regelmäßig für das Saxofon-Quartett „Double XX“, u.a. auch ihre Eigenkompositionen aus dem Repertoire ihres Jazzquintetts PATCHWORK(CD„Say it!“ 2005/jhm140 und „Inner Voice“ 2008/jhm176).
Caroline Thon erhielt sowohl als Instrumentalistin wie als Komponistin verschiedene Preise wie u.a. den 1. Platz beim internationalen Kompositionswettbewerb in Hellmond/Niederlande oder den „Prix de Concours“ in Maastricht.

 

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